Was ist Achtsamkeit?

Achtsam sein bedeutet, den jetzigen Moment, das „Jetzt“ bewusst und gelassen wahr- und anzunehmen. Ein Moment totaler Präsenz, des ganz und gar „im Fluss seins“. Wir alle kennen solche Sternmomente, wenn wir ganz bei der Sache sind und Zeit und Raum verlieren. Wenn wir staunend mit Leib und Seele sprachlos einen Sonnenuntergang oder anderes Naturerlebnissen erleben. Wir kennen dieses ozeanische Gefühl, von beglückenden sexuellen Erlebnissen, von sportlichen Hochleistungen oder wenn wir uns ganz und gar einem Arbeitsprozess hingeben. In solchen Momenten vergessen wir die Welt um uns herum und sind ganz und gar mit uns selbst im Einklang. 

Im Alltag erleben wir diese Situationen seltener und doch tragen wir eine tiefe, oft unbewusste Sehnsucht in uns, mehr davon zu erfahren. Menschen, häufig in der Lebensmitte, drücken diese Sehnsucht, mit „das kann doch nicht alles sein“ oder „etwas fehlt, doch ich weiß nicht was“ aus. 

ACHTSAMKEIT IST DAS BEWUSSTE, SPÜRENDE WAHRNEHMEN DES GEGENWÄRTIGEN AUGENBLICKS IN VÖLLIGER ANNAHME DESSEN WAS IST, OHNE JEDE BEWERTUNG

In der Regel sind wir überzeugt, dass wir präsent durch unser Leben gehen. Ja, meistens sind wir zeitlich und räumlich anwesend und bekommen mit, was um uns herum geschieht. Doch sind wir vollkommen mit allen Sinnen anwesend? Meistens ist ein Teil unserer Aufmerksamkeit gleichzeitig mit anderen Dingen beschäftigt. Im Hintergrund läuft sozusagen ein anderer Film ab, der in der Regel nichts mit dem „Hier und Jetzt“, der Gegenwart sondern mit der Vergangenheit oder Zukunft zu tun hat. Z.B.: Wir schmieden Pläne, machen uns Sorgen, erinnern uns an Vergangenes oder phantasieren, was alles passieren könnte. Eben nicht mit Leib und Seele anwesend, in dem was ich gerade tue.

Alltägliche Situationen
Während ich hier sitze und schreibe, komme ich ins Stocken und bemerke meine bisher unbewussten gedanklichen Abläufe im Hintergrund. „Wird es so verstanden, wie ich es schreibe?Könnte ich es besser machen? Schaffe ich es in meinem Zeitplan“? Nach einem kurzen Moment der Bewusstwerdung folgt die wertfreie Annahme, worauf ich einen tiefen Atemzug nehme. Ich spüre ein kleines wohlwollendes Lächeln auf meinen Lippen, da ich mich wieder in einem alten Muster aus vergangenen Zeiten ertappt habe und kann beherzt und flüssig weiter schreiben.  

Der funktionale Modus, auf innere und äußere Einflüsse automatisch zu reagieren, scheint ganz normal zu sein. Wir können uns nur schwer vorstellen, das es auch anders sein könnte. Erst wenn wir uns ein wenig Zeit für uns selbst nehmen, oft gezwungen durch Krankheit oder Schicksalsschläge, werden wir achtsamer und liebevoller im Umgang mit uns selbst. Die Achtsamkeitspraxis bringt uns zu einer neuen Aufmerksamkeit, einem heilsamen Spürbewusstsein zu uns selbst und einem bewussteren Umgang mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt.

STRESSABBAU DURCH ACHTSAMKEIT

Achtsamkeit bedeutet, auf eine 
bestimmte Weise aufmerksam zu sein: 
bewusst im gegenwärtigen Augenblick 
und ohne zu urteilen. 
Diese Art der Aufmerksamkeit 
steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit, 
sowie die Fähigkeit, die Realität 
des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. 
Sie macht uns die Tatsache bewusst, 
dass unser Leben aus einer Folge 
von Augenblicken besteht. 
Wenn wir in vielen dieser Augenblicke 
nicht völlig gegenwärtig sind, 
so übersehen wir nicht nur das, 
was in unserem Leben am wertvollsten ist, 
sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum 
und die Tiefe unserer Möglichkeiten 
zu wachsen und uns zu verändern. 
Achtsamkeit ist eine einfache  
und zugleich hochwirksame Methode, 
uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, 
uns wieder mit unserer Weisheit 
und Vitalität in Berührung zu bringen.

Jon Kabat-Zinn

 

……„Worauf es allein ankommt, ist, dass sie vor jeglicher Regung ihres Geistes achtsam sein sollten, wo immer er auch herumwandern mag. 
Wenn sich ihr Geist verliert, 
bedeutet es, dass sie an etwas anderem interessiert sind“…….
Meditation verlangt einen erstaunlich wachen Geist. 
Meditation ist das Verstehen des Lebens in seiner Ganzheit; 
jede Art der Zersplitterung hat in diesem Zustand aufgehört“….
(Zitat: J. Krishnamurti)